Seiten

Freitag, 8. November 2013

Andreas Gursky/Jeff Wall in der Galerie Rüdiger Schöttle

Zum ersten Mal stehen sich zwei große Fotokünstler in einer gemeinsamen Ausstellung explizit gegenüber: Andreas Gursky und Jeff Wall, beide seit Mitte bzw. Anfang der 1980er Jahre von der Galerie Rüdiger Schöttle vertreten. Die Fotowerke der Künstler können Zwiesprache miteinander halten; in beiden Ausstellungsräumen werden ihre Arbeiten zusammen gezeigt – es wurde bewusst auf eine Einzelpräsentation verzichtet. Während Andreas Gurskys Arbeiten in der Galerie Schöttle die Architektur in den Vordergrund stellen, bildet sie bei Jeff Wall einen wichtigen Rahmen für die dargestellten Personen.
Lehmbruck, 2013

Andreas Gursky (geboren 1955) hat nach dem Besuch der Folkwang-Schule in Essen an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Bernd und Hilla Becher studiert. Seit Ende der 1980er Jahre arbeitet er großformatig und nutzt die vielseitigen Möglichkeiten der computergesteuerten Bildbearbeitung. 
Gasherd, 1980
Als Zuschauer ist man geneigt, seine Bilder dokumentarisch zu lesen, doch das entspricht nicht ganz der Absicht des Künstlers, der der Meinung ist: "Wirklichkeit ist überhaupt nur darzustellen, indem man sie konstruiert".  Besonders beeindruckend ist sein C-Print (2,4 x 5,1 m) einer silberglänzenden Akustikwand in einem Club, deren schwammartige Oberfläche er mitsamt dem Boden des Clubs für seine Fotoarbeit abgewandelt hat (Ohne Titel XV, 2008). 
In seiner neuesten Fotoarbeit „Lehmbruck“ (2013) stattet er das Atrium des Museums und die Innenräume, auf die der Betrachter durch die Glaswände freie Sicht hat, mit Skulpturen und Bildern bekannter Künstler, wie Gerhard Richter, Neo Rauch, Katharina Fritsch, Jeff Koons u.a. aus. Ein faszinierendes Werk! Eine kleinformatige Arbeit von Gursky aus dem Jahr 1980 (Gasherd) ist auch zu sehen: die Gasflammen des Herds wirken so täuschend echt, als würde man vor einem Gasherd stehen.

Band and Crowd, 2011
Jeff Wall, geboren 1946 in Vancouver, wo er heute auch lebt, studierte Kunstgeschichte an der University of British Columbia, war unter anderem Dozent an der Simon Fraser University in Vancouver und anschließend an der Britisch-Columbia-Universität. Er wurde insbesondere durch seine großformatigen Diapositive in Leuchtkästen („Lightboxes“) bekannt, die er heute nicht mehr produziert. Seine Fotoarbeiten stellen eine scheinbar dokumentarische Abbildung der Wirklichkeit dar, sind jedoch – ähnlich einem Filmset -  künstlerisch inszeniert. Jeff Walls Arbeiten in der Galerie Schöttle zeigen Menschen in besonderen Situationen, zum Teil erscheinen sie bedrückt, wie in „Pawnshop“ (2009) und „Young man wet with rain“ (2011), oder auch entrückt, wie in seiner großformatigen Arbeit „Band and Crowd“ (2011), die eine Handvoll junger Menschen in einem Club bei einem Konzert zeigt. Eine gelungene Ausstellung, absolut sehenswert!

In der Galerie Rüdiger Schöttle, Amalienstr. 41, 80799 München bis zum 25. Januar 2014 zu sehen; gleichzeitig sind 20 Werke von Jeff Wall auch in der Pinakothek der Moderne bis zum 9. März 2014 ausgestellt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Litheatur Blog: per Email direkt an dich